Lokale Agenda 21

Falkensee

FAQ zur IG Wildblumen


  • Seit über 120 Mio. Jahren bestäuben Insekten, besonders Wildbienen unsere Blütenpflanzen. Als Gegenleistung versorgen die Blütenpflanzen die Bienen mit Pollen, Nektar und in einigen Fällen auch mit Ölen. Es bildeten sich zum Teil besondere Beziehungen heraus. So hat sich ungefähr die Hälfte der Wildbienenarten in Mitteleuropa auf den Blütenbesuch bei einigen Pflanzengattungen und -familien spezialisiert, auf denen sie Pollen sammeln. Andere Arten sind weniger wählerisch und suchen mehrere Pflanzenfamilien auf.

    Der bevorzugte Lebensraum ist übrigens trockenwarm und offen mit einer Vielfalt an Hecken, Altholz und Rohbodenflächen. 

    Einfache Schlussfolgerung: Verschwindet der Lebensraum und die Blütenpflanzenarten in großem Stil, verschwinden auch deren Bestäuber.

    In Deutschland leben ungefähr 560 Wildbienenarten, über die Hälfte dieser Arten ist bereits stark gefährdet, ein Drittel ist vom Aussterben bedroht und etliche sind bereits ausgestorben.

     

  • Die einfache Antwort lautet: unsere Nahrungspflanzen sind weitgehend auf die Bestäubung angewiesen (z.B. Obst, Gemüse, Raps). Und das leisten nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen.

  • Die Methoden der Nahrungsmittelerzeugung haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch geändert. Subventionen förderten die Vergrößerung der Betriebe, große, effiziente und teure Maschinen werden eingesetzt, die sich natürlich amortisieren müssen. Dadurch sind auf den Feldern Hecken und Gräben im Weg. Die Ernte der Feldfrüchte muss mit Hilfe von Dünger, Pestiziden und teilweise durch große Beregnungsanlagen aus tiefen Brunnen sichergestellt werden. Das alles im Wettlauf um einen niedrigen Preis, den die Lebensmittelhandelsketten diktieren.

    Schauen wir uns die Gebiete an, in denen wir wohnen. Hier verläuft es ähnlich.

    Hier sind die Baumärkte die Tonangebenden. Im Angebot ist ein Maschinenpark für alles, was man sich nicht vorstellen konnte, bevor man es im Katalog oder beim Nachbarn sah. Dazu Steinformationen soweit das Auge reicht, Dünger und Insektizide, hier und da ein Minibaum, der möglichst ungewöhnlich aussehen soll. Statt der Klimaanlage großer schattenspendender Bäume bietet sich nun die elektrische Klimaanlage an. Alles im Dienste des Chillens und der Ordnung. Omas Garten war schön, aber der war gestern!

    Wir ersparen Dir weitere Ausführungen, jetzt geht’s ans Verändern. Außerdem haben ja Einige schon mit Wildblumen und Insektenhotels experimentiert.

  • Das können wir natürlich in unseren eigenen Gärten tun. 

    Wir haben uns aber im ersten Schritt unserer Initiative vorgenommen, dass wir zunächst im Öffentlichen Raum aktiv werden. Ermuntert hat uns dazu der aktuelle Kabinettsbeschluss der Bundesregierung gegen das Insektensterben, der von den Kommunen die Unterstützung von Eigeninitiativen der Bürger fordert und bürgerschaftlichem Engagement Raum geben soll. Wir haben uns also mit Vorschlägen an die Stadt gewandt, auch um Regeln für das sogenannte Straßenbegleitgrün (das sind z.B. die Grünflächen vor den Zäunen unserer Grundstücke) zu klären. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist z.B. der neue Flyer für das Straßenbegleitgrün.

  • Nimm den Streifen zwischen Grundstücksgrenze und Gehweg bzw. Straße einschließlich Rigolen für die Regenwasserversickerung in Augenschein und prüfe, ob die Breite ausreichend ist Wildblumen auszusäen (siehe Flyer). Manche Grundstücke haben eine sehr breite Fläche vor dem Grundstück – um so besser. Der Boden soll mager und sonnig bis halbschattig sein.

    Überlege, ob Du Geduld hast – erst nach 2 Jahren werden sich alle Blumen entfalten. Und frage Dich, ob Du es aushältst, dass die Wildblumen struppig aussehen können, denn es soll nur 2x im Jahr gemäht werden.

    Boden- und Lichtverhältnisse

    Achte darauf, dass der Standort

    • Vollsonnig bis halbschattig,
    • möglichst mager (nährstoffarm)
    • und trocken ist

    Wähle eine Fläche mit lückigem Bewuchs aus und mähe diese kurz. Das Saatgut wird nun auf lückig-bewachsenen Boden und offene Stellen gestreut.

    Bitte halte Dich mit „Unkraut jäten“ zurück, denn es können durchaus schon bienenfreundliche Pflanzen vorhanden sein, die Du nur nicht erkennst.

     

    • Besorge Saatgut von heimischen Wildpflanzen.
      Vermeide Samen von umgezüchteten Wildblumen (z.B. gefüllte, vergrößerte Blüten).
    • Das Saatgut besteht aus ein- und mehrjährigen Pflanzen. Einige Samen gehen im ersten Jahr auf, andere erst im zweiten Jahr. Also – Geduld ist gefragt.
    • Saatgut mit vielen hochwachsenden Wildblumen sollte vermieden werden, wenn man nur einen schmalen Streifen bewachsen lassen kann.
    • Das Saatgut enthält nicht nur Wildblumen, sondern auch Gräser. Diese sind zum Schutz der aufwachsenden Blumen wichtig.
    • Achtung: Es gibt auch Saatgut zur Verwendung auf Äckern oder Ackerrandstreifen. Diese sind zumeist für nährstoffreiche Böden abgestimmt und würden im sandigen Straßenland kümmern.
  • Wir empfehlen Vereine und Saatguthersteller oder Firmen, die sich auf Wildblumen spezialisiert haben. Etliche dieser Firmen bieten aber nur große Saatgutmengen an. Bedenke, dass Wildblumen nicht zu dicht stehen sollen, also brauchst viel weniger Samen als bei der Rasenansaat. Das gilt besonders bei Aussaaten auf Flächen mit lückigem Bewuchs!

    Kleine Saatgutmengen (Pflanzenarten werden aufgelistet) kann man kaufen bei:

    TIPP: Die IG Wildblumen hat sich erfolgreich um einen Förderantrag für Saatgut bemüht. In mühseliger Kleinarbeit hat die IG Wildblumen geeignete Samen in Tütchen verpackt, die nun an den folgenden Stellen abgeholt werden können. Natürlich nur so lange der Vorrat reicht.

    • Adressen der Saatgut-Abholmöglichkeiten in Falkensee:
      • wird derzeit erarbeitet

    Du kannst auch selbst Samen von Wildblumen aus dem Straßenbegleitbunt sammeln, so lange Du sammelst und nicht plünderst. Du benötigst ja nur wenige Samen einer Pflanzenart für Deine Fläche. Von Wildwiesen in „freier Natur“ lasse bitte die Finger, sie sind geschützt.

  • Bitte beachte die empfohlene Menge auf den Samentüten (üblich 2-3 Gramm pro m2). Wildblumen mögen Abstand zu ihren Nachbarn. Um die Samen möglichst gleichmäßig zu verteilen, mische die Samen mit trockenem, feinen Sand. Bedecke das Saatgut nicht mit Erde, da die Mischungen viele sogenannte Lichtkeimer enthalten. Daher sollten die Samen angewalzt werden (mit Walze oder glattem Brett).

     

    • Im Frühjahr: damit werden die einjährigen Pflanzen noch im gleichen Jahr zu sehen sein oder
    • im Herbst: hierbei wird sich die Wiese erst im nächsten Jahr entwickeln, aber man kann so auf mehr Feuchtigkeit durch Regen hoffen.
  • Nach dem Aussäen müssen die Samen drei Wochen durchgehend gut feucht gehalten werden. Warum? Die Samen müssen erst ausreichend quellen, dann müssen sie ihre Würzelchen in den Boden schicken und sich mit dem Boden verbinden.

     

  • Grundsätzlich ist das Wässern einer Wildblumenwiese nach dem Anwachsen nicht mehr nötig, da sie sich selbst Schatten gibt und darüber hinaus etwas Bodenfeuchtigkeit halten kann. Zudem sind die Pflanzen gerade an diese trockenen Bedingungen angepasst.

    Ausnahme: Wir haben nun im Straßenland eher kleine Flächen, die der Sonne und Trockenheit stärker ausgesetzt sind. Daher solltest Du im ersten Jahr bei starker Hitze prüfen, ob die Pflanzen beginnen zu vertrocknen und eine Ausnahme-Wässerung sinnvoll wäre.

    Die meisten Pflänzchen werden in ihrem ersten Jahr übrigens nicht stark wachsen. Sie konzentrieren sich darauf, ihre Wurzeln gut zu platzieren, um später als größere Pflanze überleben zu können.

  • Nicht alles was sich ansiedelt, nutzt der Wildwiese. Achte auf Pflanzen, die die gesäten Wildblumen verdrängen, indem sie in die Blumen hineinwachsen oder sie im Aufwuchs überwachsen (wie z.B. Quecke, Reitgras oder die Nachtkerze mit ihrer breiten Rosette). Wildblumen mögen einfach Abstand zu ihren Nachbarn.

    • Die Mahd ist das wichtigste Instrument, um die Zusammensetzung einer Wildwiese im Sinne der Vielfalt zu steuern!
    • Anders als bei unserem Rasen wird die Wildblumenwiese maximal drei Mal im Jahr gemäht.

    Gemäht wird am besten mit der Sense oder dem Rasenmäher (unbedingt in der höchsten Einstellung und ohne Fangkorb). Lasse die Mahdgut möglichst eine Weile liegen, damit Samen ausfallen können und trage es erst dann sorgfältig ab.


    Die gemähten Pflanzen werden dann wieder neu austreiben. Die Mahd verjüngt die Wiese und Du erhältst eine zweite Blühphase. Durch den richtigen Mahdzeitpunkt kannst Du auch verhindern, dass die Gräser zu üppig werden. Du mähst einfach vor deren Samenwurf.

    Der Erfolg liegt im Detail...
    Die erste Mahd erfolgt in der Regel zu Sommeranfang (21. Juni), auch wenn noch vieles blüht. Traue Dich, jetzt zu mähen!

    Die zweite Mahd sollte nach dem Samenauswurf im September erfolgen.

    Ausnahme für eher große Flächen: Sollte es im August einen starken Aufwuchs geben, mähe im September und im Oktober.

    Beobachte, genieße und tausche dich aus!

    Wir haben im Selbstversuch gemerkt, dass das Anlegen einer Wildblumenwiese - oder besser gesagt einem Wildblumenbeet - gar nicht so einfach ist! Vor allem weil wir ungeduldig den Aufwuchs erwarteten, zu viel eingesät hatten oder dann doch lieber nicht mähen wollten, weil noch was so hübsch blühte. Auch für das Eintreffen von Insekten braucht es Geduld beim Beobachten.

    Wir würden uns freuen, wenn Du Fotos Deiner Wildblumenwiese an uns schicken würdest. Wir möchten gelungene und nicht so gelungene Beispiele auf dieser Webpage „Wildblumen für Falkensee“ ausstellen und davon lernen.

  •  

    Anlegen von Wildblumenwiesen

     

    Deutsche Wildtierstiftung

    Wildblumenwiese – Checkliste und Anleitung zur Aussaat

    Sehr ausführlich, aber eher für große Flächen

    https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/wilde-bienen-hoch-bedroht/dewist-checklist-aussaatanleitung.pdf

    Ökowerk Berlin

    https://www.oekowerk.de/fileadmin/Dateien/PDFWildblumenansaat.compressed.pdf

    NABU

    Das wilde Leben, Naturschönheit Wildblumenwiese

    https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/elemente/22377.html

     * Reinhard Witt,

    Das Haarer Modell, beschreibt Erfolge und Misserfolge mit vielzähligen Wildblumenanlagen in der Gemeinde Haar

    https://www.reinhard-witt.de

     

    Zum Schmökern

     * Jan Haft,

    Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt, Penguin Verlag, auch als DVD zu genießen, https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturbildung/film-die-wiese-ein-paradies-nebenan

     Grüne Liga Berlin – Netzwerk Ökologischer Bewegungen, Landesverband Berlin

    https://www.grueneliga-berlin.de/themen-projekte2/stadtbegruenung/

     Netzwerk Blühende Landschaft

    https://bluehende-landschaft.de/

     Hannes Petrischak,

    Expedition Artenvielfalt, Heinz Sielmann Stiftung

    beschreibt sehr anschaulich z.B. die Tiere der Trockenlandschaften

    https://www.oekom.de/buch/expedition-artenvielfalt-9783962381097

    Wildblumen

    Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bienenfreundliche Pflanzen, pdf

    https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/BienenfreundlichePflanzen.html

     Bruno P. Kremer

    Steinbachs Großer Pflanzenführer, Ulmer Verlag

    - leider nur noch gebraucht erhältlich

    Seidel / Eisenreich

    BLV Naturführer - Heimische Pflanzen, BLV Verlag

    - leider nur noch gebraucht erhältlich

     I. Spohn, R. Spohn,

    Blumen und ihre Bewohner, Haupt Verlag

    - leider nur noch gebraucht erhältlich

     

    Interessantes über Wildbienen

     * Hannes Petrischak,

    Welche Wildbiene ist das? Kosmos Verlag

    https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/natur/tiere/11663/welche-wildbiene-ist-das

     * Eva Kettl

    Die Hummel Hildegard, Verlag Books on Demand

    Eine Bilderbuchserie für Kinder ab vier Jahre.

    Eine Schatzkiste an Informationen!

    https://www.hummel-hildegard.com/

     Phillipe Boyer,

    Vom Leben der Wildbienen, Ulmer Verlag
    beschreibt anschaulich das Zusammenspiel von Blüten und Insekten

    https://www.ulmer.de/usd-5039133/vom-leben-der-wildbienen-.html

     Heinz Wiesbauer

    Wilde Bienen, Ulmer Verlag

    ausführliches Werk über Biologie und Lebensraum der Bienenarten Österreichs

    https://www.ulmer.de/usd-6278322/wilde-bienen-.html

      

    Zum Schluss noch eine tolle App für euer Smartphone:

     FLORA INCOGNITA

    (Download von Apple App Store oder Google Play)

    https://floraincognita.com/de/ueber-flora-incognita/

    Automatische Pflanzenbestimmung: Was blüht denn da? Mit der Flora Incognita App kannst Du die Pflanzen Mitteleuropas schnell, einfach und sehr genau bestimmen.

     

    „Gesetzliches“

     Deutscher Städte- und Gemeindebund

    Aktionsplan und DstGB Dokumentation No 155: Insektenschutz in der Kommune

    https://www.dstgb.de/aktuelles/archiv/archiv-2020/Insektenschutz%20in%20Kommunen/Doku155_Insektenschutz_web.pdf?cid=5ux

     Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,

    Bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Garten
    https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/BienenfreundlichePflanzen.html

    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

    Masterplan Stadtnatur, Broschüre 10043

    https://www.bmu.de/publikation/masterplan-stadtnatur/

    Kommunen für biologische Vielfalt e.V.

    Kommunales Bündnis für biologische Vielfalt (Bis November 2013 haben mehr als 250 Kommunen die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ unterzeichnet.

    https://www.kommbio.de/home/

      

    * = unser Vorschlag zum Einsteigen...

     

    Wie kann ich mitmachen bei der IG Wildblumen für Falkensee?

     Melde Dich per Mail bei der IG Wildblumen für Falkensee unter:

    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

     

    Wir planen weitere Aktionen, wozu Mitmacher höchst willkommen sind!

    Schaue hierfür immer mal wieder auf unsere Homepage:

    https://www.agenda21-falkensee.de/wildblumen

     


Mache also eintöniges Straßenbegleitgrün zu Straßenbegleitbunt!


Bei der Anlage von Wildblumenwiesen ist GEDULD gefragt – sie entwickeln sich erst ab dem 2. Jahr!